Schaffhauser Wein- und Rebbau vor neuen Herausforderungen
Der Weiterbildungsmorgen des Branchenverbandes Schaffhauser Reben und Wein in Wilchingen zeigte, wie sehr Schädlinge, das Konsumverhalten und neue gesetzliche Vorgaben den Schaffhauser Rebbau beeinflussen. Im Mittelpunkt standen die Ernte 2025, die Kirschessigfliege und die Auflösung der Rebbaugenossenschaften.
Markus Simmler, Präsident des Schaffhauser Blauburgunderlandes, des Branchenverbandes Schaffhauser Reben und Wein, eröffnete den Weiterbildungsmorgen in Wilchingen. Im Fokus standen die Veränderungen, welche Klima, Schädlinge und neue gesetzliche Vorgaben für den Schaffhauser Rebbau mit sich bringen. Er ordnete das vergangene Jahr als emotional und fachlich anspruchsvoll ein. Globale Entwicklungen, agrarpolitische Weichenstellungen mit Blick auf die AP 2030 sowie die Teilrevision des kantonalen Landwirtschaftsgesetzes prägen die Rahmenbedingungen zunehmend. Auch wettertechnisch forderte das Jahr 2025 den Rebbau stark: Hagelereignisse, Starkregen und Hitzeperioden. Diese Extreme seien kein Ausreisser mehr, sondern Ausdruck eines Klimas, das sich weiter in diese Richtung entwickle. Gleichzeitig zeigten die Reben, je nach Sorte, eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit. Umso erfreulicher sei die sehr gute Erntequalität gewesen. Der Weiterbildungsmorgen solle helfen, den Blick nach vorne zu richten.
Zahlen, Niederschläge und Marktrealität
Hansueli Pfenninger vom Landwirtschaftsamt zeichnete ein differenziertes Bild des Rebbaujahres. Nach einem niederschlagsreichen Winter verlief der Frühling vielversprechend, zeitweise war sogar von einem «Jahrtausendjahr» die Rede. Bis Anfang August schien die Lage stabil. Der Wendepunkt kam im Spätsommer: Zwischen dem 15. August und dem 25. September fielen in Hallau 168 Millimeter Niederschlag, mehr als doppelt so viel wie in den Vorjahren. Die Folge waren starker Fäulnisdruck und ein massiver Befall durch die Kirschessigfliege (KEF). Trotzdem fiel die Bilanz respektabel aus. 2025 waren im Kanton Schaffhausen 471 Hektaren mit Reben bestockt, 30 Hektaren unbestockt. Die Traubenernte belief sich auf insgesamt 3 577 298 Kilogramm, davon rund 2,09 Millionen Kilogramm Blauburgunder, 564 519 Kilogramm Riesling-Sylvaner und 271 067 Kilogramm Piwi-Sorten. Das entsprach 107,4 Prozent einer durchschnittlichen Schaffhauser Ernte. Blauburgunder und Riesling-Sylvaner bleiben dominant, Piwi-Sorten nehmen langsam zu, wobei Souvignier Gris klar herausragt. Sorgen bereitet hingegen der Weinkonsum. Schweizweit ging er zwischen 2014 und 2024 um rund 20 Prozent zurück, in den letzten vier Jahren um 14 Prozent. Schaffhausen konnte den Konsum in dieser Zeit stabil halten. «Wir haben produziert, was wir auch trinken», fasste Pfenninger zusammen. Entscheidend bleibe ein starkes Marketing und die konsequente Stärkung der Marke Schaffhauser Wein.
KEF: Neue Wege in der Bekämpfung
Einen zentralen Schwerpunkt bildete die Bekämpfung der Kirschessigfliege. Bruno Gasser, Vorstandsmitglied des Schaffhauser Blauburgunderlandes und Geschäftsführer des Weinguts Gasser in Hallau, berichtete von einem Feldversuch im Herbst 2025, begleitet von Agroscope. Untersucht wurden verschiedene Strategien: präventive Behandlungen mit Kalk und Kaolin, klassische Insektizide ab Schadschwelle sowie ein Kombinationsverfahren mit einem früh eingesetzten Lockstoff-Insektizid-Gemisch. Der Versuch zeigte die Grenzen der bisherigen Praxis deutlich auf. Aufgrund der hohen Niederschläge kam es sehr früh zu Einstichen der KEF, sodass früher als geplant mit Insektiziden gearbeitet werden musste. Diese zeigten zwar Wirkung, konnten den Schaden aber nicht verhindern. Besonders schlecht schnitten Reihen ab, die ausschliesslich mit Kaolin behandelt wurden. Am besten hielten sich jene Reihen, die mit dem Kombinationsverfahren behandelt worden waren – obwohl auch hier zu spät gestartet worden war. Ein zentrales Fazit: Das Abwarten bis zur Schadschwelle verhindert eine wirksame Bekämpfung.
Neue gesetzliche Leitplanken
Mit Spannung verfolgt wurden die Ausführungen von Hannes Schärer, Amtsleiter Landwirtschaftsamt Schaffhausen, zu den Änderungen im Landwirtschaftsgesetz. Kernpunkt ist die Ablösung der bisherigen Rebbau- und AOC-Kommission durch eine neue Weinbaukommission mit fünf Vertretungen aus Produktion und Kelterung mit einer beratenden Stimme der Verwaltung. Gleichzeitig wird der Rebbaufonds mit der Rebsteuer abgeschafft und damit entpolitisiert. Die Branche soll künftig Beiträge selbst einziehen und verwalten, während der Kanton die Vollzugsaufgaben finanziert.
Ein zentraler Einschnitt betrifft die bisherigen Rebbaugenossenschaften: Sie müssen aufgelöst werden. An ihre Stelle treten neu zu gründende Rebbauorganisationen, z.B. Rebvereine, welche die Aufgaben flächendeckend übernehmen sollen.
Neu wird zudem die Pflegepflicht gesetzlich verankert. Der Vollzug liegt künftig beim Kanton und wird auch von diesem finanziert. Ziel der Reform ist es, die Vorteile der bisherigen Organisationen – etwa die Interessenvertretung, die Koordination gemeinschaftlicher Pflanzenschutzmassnahmen und den fachlichen Austausch – zu sichern, gleichzeitig aber rechtliche und strukturelle Schwächen zu beseitigen. Schärer appellierte eindringlich an die Branche, sich aktiv in den neuen Rebbauvereinen zu engagieren.
Wein als Kulturgut positionieren
Einen strategischen Blick auf die Zukunft warf Hans Nägeli von der Vereinigung Schweizer Weinhandel. Mit der Kampagne «Wein ist Kultur» soll Wein stärker im kollektiven Bewusstsein verankert werden – emotional, positiv und als gesellschaftliches Erlebnis. Statt Zahlen und Abwehrargumenten stehe der kulturelle Beitrag im Vordergrund. Klare, lebensnahe Sprache, Lebensfreude und Gemeinschaft bilden die Kernbotschaften. Ergänzend informierte Beat Hedinger, Geschäftsführer des Schaffhauser Blauburgunderlandes, über aktuelle Projekte. Die enge Zusammenarbeit mit Schaffhauserland Tourismus wird fortgesetzt, Aufgaben und Kompetenzen neu definiert. Geplant sind erlebnisorientierte Weiterentwicklungen der Weinwege in Hallau und Stein am Rhein – mit Weinbänken und thematischen Erlebnisstationen. Ziel ist es, den Schaffhauser Wein auch ausserhalb des Kantons stärker wahrnehmbar zu machen.
Nici Peter