Ein Leben zwischen Blumen
Ein kleines Lädeli, ein Estrich voller kopfüber aufgehängter Blumen und dahinter ein Garten, bei dem man aus dem Staunen kaum herauskommt. Auf Winzeler’s Blumenhof in Dörflingen zieht Claudia Winzeler über 50 Blumenarten und Sorten selbst auf. Daraus entstehen Sträusse, die fast das ganze Jahr ihren Weg zur Kundschaft finden.
Wer Claudia Winzeler an einem Morgen auf dem elterlichen Betrieb in Dörflingen sucht, findet sie mit grosser Wahrscheinlichkeit zwischen ihren Blumen. Einige stehen in voller Blüte, andere zeigen erst ihre Knospen. Dazwischen summt und brummt es. Die Bäuerin geht durch die Reihen und sucht aus, was an diesem Tag in ihre Sträusse kommt.
Was wann blüht, ist keineswegs dem Zufall überlassen. Hinter der Blütenpracht steckt viel Planung, denn Winzeler möchte möglichst immer eine Auswahl aus eigener Produktion anbieten können. «Der Laden ist von März bis Weihnachten geöffnet.»
Vom Pferdestall zum Blumenladen
Nur wenige Schritte vom Garten entfernt liegt der kleine Blumenladen. Einst standen hier die Pferde ihres Grossvaters, später stellte ihr Vater seinen ersten Traktor in den ehemaligen Stall. Die Gärtnerin räumte alles heraus und verwandelte den Raum in einen heimeligen Blumenladen.
Ausser sonntags schneidet sie jeden Morgen frische Blumen. Sechs bis zehn schnittfrische Sträusse stellt sie täglich in den Laden. «Eine Blume muss immer perfekt sein.» Mehr als zwei Tage bleibt deshalb kein Strauss im Verkauf. Unterstützt wird sie von ihrem Mann, ihren beiden Kindern und ihrem Vater.
Blumen im Kopf
Wann muss welche Sorte ausgesät werden? Wann kommt sie ins Beet und wann muss sie geschnitten werden? Einen Grossteil dieser Planung trägt Winzeler im Kopf. Bereits im Januar beginnt die Anzucht im Gewächshaus, im März kommen die ersten Pflanzen nach draussen und im August sät die Gärtnerin bereits wieder für das kommende Jahr aus. Das Gewächshaus hilft ihr, die Saison bis in den November zu verlängern.
Dass Blumen zu ihrem Betriebszweig wurden, kommt nicht von ungefähr. Winzeler ist als Bauerntochter aufgewachsen. «Mein Leben dreht sich schon immer um Blumen.» Sie wurde Gärtnerin und sammelte später Erfahrungen in der Floristik. Vor über vier Jahren startete sie schliesslich mit der eigenen Schnittblumenproduktion auf dem Landwirtschaftsbetrieb.
Blumen für später
Auf dem Estrich über dem Laden hängen zahlreiche Blumen kopfüber zum Trocknen. Das hat bereits ihre Mutter so gemacht. «Früher waren getrocknete Blumen eher verpönt.» Heute seien sie wieder im Kommen.
Auch hier ist der richtige Zeitpunkt entscheidend. «Ich trockne sie, wenn sie am Aufgehen sind. Wenn sie bereits blühen, kann man sie nicht mehr trocknen.» Schon vor dem Abschneiden weiss die Gärtnerin deshalb meist, wofür eine Blume bestimmt ist.
Immer wieder probiert sie zudem neue Sorten aus. Nicht jeder Versuch gelingt. Umso grösser ist ihre Freude, wenn etwas Neues daraus entsteht. Momentan hat es ihr besonders eine violette Eustoma angetan.
Ein Garten voller Leben
Der Blumengarten ist gleichzeitig Lebensraum. Käfer krabbeln zwischen den Pflanzen, Schmetterlinge flattern von Blüte zu Blüte und Vögel finden Nahrung. Auch Blattläuse bereiten kaum grössere Probleme. «Es kommt vor, dass einmal ein Lausbefall auf einigen Blumen da ist. Das regelt die Natur aber eigentlich mit den Nützlingen von selbst.»
Dass die Natur nicht immer mitspielt, erlebte die Bäuerin im vergangenen Jahr. Mitten in der Hochsaison zog ein Hagelsturm über Dörflingen und beschädigte die Blumen stark. Drei Wochen lang musste sie ihren Laden schliessen. «Dafür konnte ich in dieser Zeit ein paar Ausflüge mit der Familie geniessen, was sonst nicht möglich gewesen wäre.»
Im März beginnt jeweils eine neue Saison. Viele Kundinnen und Kunden warten dann bereits gespannt darauf, dass der Blumenladen wieder öffnet. Das freut Winzeler. Ebenso wie ihr Garten selbst. Wenn sie einen Käfer beobachtet oder die Schmetterlinge zwischen den Blumen tanzen sieht, ist sie glücklich.
Und wer mit ihr durch diese Blütenpracht geht, merkt schnell: Hinter Winzeler’s Blumenhof steckt Herzblut. Viel Herzblut.
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