Praxistest auf dem Feld

Wetterstation, geschlossenes Füllsystem, Drohne und Bodenbearbeitung: Am Technikabend der GVS Agrar gab es viel zu sehen und auszuprobieren. Über 50 Interessierte nutzten die Gelegenheit, neue Technik direkt auf dem Feld kennenzulernen.

Obwohl unter den Teilnehmenden zunächst vor allem der Regen der vergangenen Tage und die Frage, wo wie viel davon gefallen war, für Gesprächsstoff sorgte, wurde es still, als Patrik Eicher, Pflanzenbauberater der GVS Agrar, die über 50 Interessierten auf seinem Hof im Bodental in Basadingen begrüsste. Wetterdaten, Pflanzenschutztechnik, Drohnen und Maschinen für die Bodenbearbeitung versprachen einen vielseitigen Abend.

Wetterdaten direkt vom Feld
Passend zum Gesprächsthema begann der Abend mit dem Wetter. Elisabeth Becker von Agroline stellte die vernetzte Wetterstation Sencrop vor. Schweizweit sind über 350 Stationen auf Landwirtschaftsbetrieben miteinander vernetzt. Eine eigene Station liefert detaillierte Daten direkt vom Betrieb und kann gezielt dort eingesetzt werden, wo besondere Bedingungen herrschen. So lassen sich beispielsweise Warnungen für einzelne Flächen einrichten oder mit einem Windsensor geeignete Spritzfenster bestimmen. Zusätzliche Bodensensoren messen Temperatur und Feuchtigkeit und können bei der Planung der Bewässerung helfen. Auch Krankheitsprognosemodelle lassen sich mit den lokalen Wetterdaten verbinden. Niederschlagsmengen können zudem über längere Zeiträume betrachtet und mit früheren Jahren verglichen werden. Auch wer keine eigene Station besitzt, kann vom Netzwerk profitieren. Steht beispielsweise auf einem benachbarten Betrieb bereits eine Sencrop-Wetterstation, können deren Daten über eine entsprechende Lizenz genutzt werden.

Sicherer beim Befüllen
Anschliessend stellte Martin Keller von BASF das easyFlow System vor. Das geschlossene Entnahme und Dosiersystem für flüssige Pflanzenschutzmittel soll verhindern, dass Anwender beim Befüllen der Spritze direkt mit dem Produkt in Kontakt kommen. Gleichzeitig sollen punktuelle Einträge in die Umwelt reduziert werden. In verschiedenen europäischen Ländern sollen solche geschlossenen Füllsysteme künftig gesetzlich vorgeschrieben werden. Das Gebinde wird direkt auf das System gesetzt und die benötigte Menge dosiert. Auch das Spülen erfolgt innerhalb des geschlossenen Kreislaufs.

Drohne mit Potenzial
Danach richteten sich die Blicke in den Himmel. Eicher führte eine Drohne vor, mit der Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden können. Gemeinsam mit Agroscope sucht er nach Lösungen und Bedingungen für einen praxistauglichen Einsatz.
«Wir sind noch nicht dort, wo wir gerne wären. Im Randbereich der Kultur ist die Applikationstechnik noch nicht optimal», sagte Eicher. Genau dies zeigte sich auch bei der Vorführung. Die Bedienung selbst sei relativ einfach. Nachdem Fläche und Flughöhe erfasst sind, fliegt die Drohne die vorgegebene Route selbstständig ab und kehrt anschliessend zum Startpunkt zurück. Neben Pflanzenschutzmitteln können beispielsweise auch Schneckenkörner verteilt werden. Mit der Tropfenverteilung auf der übrigen Fläche zeigte sich Eicher grundsätzlich zufrieden. Er sieht deshalb durchaus Chancen für die Technik: «Es kann ein gutes Produkt werden, das unterstützt.» Rund 15 Minuten kann die Drohne mit einer Batterie fliegen.

Maschinen im Praxiseinsatz
Nach dem Ausflug in die Luft ging es zurück auf den Boden. Verschiedene Maschinen zeigten, wie ein Saatbett beispielsweise für Raps vorbereitet werden kann. Nach jedem Durchgang begutachteten die Teilnehmenden das Ergebnis direkt im Feld. Zunächst kam ein Grubber zum Einsatz, anschliessend eine Rotospatenmaschine. Ihre rotierenden Spaten bearbeiten und durchmischen den Boden. Das ist unter anderem bei Ernterückständen interessant, die dadurch gleichmässig eingearbeitet werden können. Danach wurde eine mechanische Sämaschine vorgeführt. So konnten die Teilnehmenden die unterschiedlichen Maschinen nicht nur im Einsatz sehen, sondern deren Arbeit direkt miteinander vergleichen.

Abdrift wird sichtbar
Zum Abschluss rückte nochmals der Pflanzenschutz in den Mittelpunkt. Vorgestellt wurde eine Dreipunkt-Feldspritze. Besonders anschaulich wurde dabei das Thema Abdrift. Mit einem grossen, vom Traktor angetriebenen Laubbläser erzeugten die Referenten Wind. Hinter der Spritze standen in unterschiedlichen Abständen kleine Tafeln, auf denen die verdrifteten Tropfen sichtbar wurden. «Ich möchte euch damit zeigen, dass bei Wind mit mehr als drei Metern pro Sekunde, also bei höheren Windgeschwindigkeiten, kein genaues Verteilen von Pflanzenschutzmitteln möglich ist.» Eine wichtige Rolle spielt zudem der richtige Druck an den Düsen. Dieser muss so eingestellt sein, dass die Tropfen dort ankommen, wo sie hingehören, und möglichst wenig abdriften. Nach den Vorführungen ging der Austausch bei Wurst, Getränken und Kuchen weiter. Die gezeigten Maschinen und technischen Lösungen boten dabei ebenso Gesprächsstoff wie das Wetter, das bereits zu Beginn des Abends für angeregte Diskussionen gesorgt hatte. Nici Peter