Faire Preise statt Almosen

Die Migros will mit zwei Millionen Franken Landwirtschaftsbetriebe unterstützen, die durch die Trockenheit in eine existenzbedrohende Lage geraten sind. Der Schaffhauser Bauernverband fordert mehr: Statt einmaliger Hilfe braucht die Schweizer Landwirtschaft angemessene Produzentenpreise. Wer tagtäglich Lebensmittel produziert, soll von seiner Arbeit leben und auch schwierige Jahre aus eigener Kraft bewältigen können.
Die extreme Trockenheit und die hohen Temperaturen haben in diesem Sommer in der Schweizer Landwirtschaft deutliche Spuren hinterlassen. Ernteausfälle, tiefere Erträge, Futtermangel und zusätzliche Kosten belasten zahlreiche Bauernfamilien. Die wirtschaftlichen Folgen treffen dabei auf Betriebe, deren finanzieller Spielraum bereits in normalen Jahren gering ist. Die Migros stellt nun 2 Mio. Franken für Landwirtschaftsbetriebe zur Verfügung, die aufgrund der Trockenheit in eine existenzbedrohende Situation geraten sind.

Zwei Millionen klingen nach viel
Auf den ersten Blick sind zwei Millionen Franken eine beachtliche Summe. Setzt man sie jedoch ins Verhältnis zu den rund 47’000 Landwirtschaftsbetrieben in der Schweiz, entsprechen sie rechnerisch lediglich rund 43 Franken pro Betrieb. Selbstverständlich werden die zwei Millionen Franken nicht gleichmässig auf alle Betriebe verteilt, sondern gezielt an Härtefälle ausbezahlt. Der Vergleich zeigt dennoch die Dimension: Gemessen an den wirtschaftlichen Herausforderungen der Schweizer Landwirtschaft ist die Summe bescheiden. Aus Sicht des Schaffhauser Bauernverbandes ist das der falsche Ansatz.

Wir wollen von unserer Arbeit leben können
Landwirtinnen und Landwirte wollen nicht auf Spenden angewiesen sein. Sie wollen für die Lebensmittel, die sie produzieren, einen Preis erhalten, der ihre Kosten deckt und ihre Arbeit angemessen entschädigt. «Es kann nicht das Ziel sein, dass Bauernfamilien zuerst wirtschaftlich an ihre Grenzen kommen und anschliessend Gesuche um Unterstützung stellen müssen», sagt Lara Jäckle-Winzeler, Geschäftsführerin des Schaffhauser Bauernverbands. «Wir wollen keine Almosen. Wir wollen für unsere Produkte einen angemessenen Preis und von unserer Arbeit leben können.» Gerade ein Unternehmen wie die Migros hat als bedeutender Abnehmer von Schweizer Lebensmitteln einen wesentlich nachhaltigeren Hebel in der Hand: die Preise, die den Produzentinnen und Produzenten für ihre Produkte bezahlt werden.

Den Hebel richtig ansetzen
Im Gegensatz zu einmaligen Hilfszahlungen an einzelne Betriebe stärken faire Produzentenpreise die gesamte produzierende Landwirtschaft dauerhaft. Sie schaffen finanziellen Spielraum, ermöglichen Investitionen und erhöhen die Widerstandsfähigkeit der Betriebe gegenüber schwierigen Jahren und ausserordentlichen Ereignissen. Der Schaffhauser Bauernverband fordert deshalb keine weiteren Spendenaktionen. Er fordert die Migros und den gesamten Detailhandel auf, ihre Verantwortung dort wahrzunehmen, wo sie langfristig Wirkung entfaltet: bei angemessenen Produzentenpreisen für Schweizer Lebensmittel. Die Bauernfamilien brauchen wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die es ihnen ermöglichen, von ihrer Arbeit zu leben.

Faire Preise statt Almosen – das hilft der Schweizer Landwirtschaft nachhaltig.

Schaffhauser Bauernverband