Vier Bauern laden ein
Vier Landwirte aus einem kleinen Weiler zeigen, wie eng Zusammenarbeit und Landwirtschaft heute sein können. Am 31. Mai öffnen sie in Hofenacker ihre Stall- und Hoftüren für die Bevölkerung. Das Feld-Stall-Fest ist ein besonderer Anlass und auch ein Zeichen für die Landi
Vier Bauern, eine Landi und eine einfache, aber starke Idee. Genau das steckt hinter dem Feld-Stall-Fest, das am Sonntag, 31. Mai, in Hofenacker stattfindet. Hofenacker, der kleine Weiler, gehört zu Ramsen, liegt rund vier Kilometer entfernt und näher bei Buch als beim Dorfkern. Bauernhöfe, eine Dorfstrasse, ein Kirchhofplatz und alles nah beieinander. Am Festtag wollen die vier Landwirte mehr als nur Einblicke geben. «Man soll die Landwirtschaft riechen, sehen und spüren», sagen sie. Besucherinnen und Besucher können Kühe streicheln, Mastrinder beim Wiederkäuen beobachten oder selbst erfahren, wie sich Stroh anfühlt. Stallrundgänge durch Milchvieh- und Mastbetriebe finden mehrmals täglich statt. Dabei wird auch aus dem Nähkästchen geplaudert. Auf dem Feld wird sichtbar, was sonst oft verborgen bleibt. Wie wächst eine Zuckerrübe? Wie viel Zucker steckt in ihr? Ein Experte erklärt direkt am Feldrand, wie viele Rüben es für einen Würfelzucker braucht. Auch grosse Maschinen fehlen nicht. Traktoren können besichtigt werden, und wer möchte, testet sein Können im Fahrparcours. «Für die weniger Geübten gibt es Trettraktoren», sagen sie mit einem Augenzwinkern. Für Familien ist ebenfalls gesorgt. Spielplatz, Sandkasten und Hüpfburg sorgen dafür, dass auch die jüngsten Gäste auf ihre Kosten kommen. Müde Kinder am Abend sind fast garantiert. Regionale Marktstände bringen die Landwirtschaft auch kulinarisch näher. Gemüse, Fleisch und verschiedene Produkte aus der Region laden dazu ein, ein Stück Landwirtschaft mit nach Hause zu nehmen. Trotz allem Programm bleibt eines zentral. «Man darf auch einfach vorbeikommen, etwas essen und trinken und den Sonntag geniessen.» Das Feld-Stall-Fest soll Landwirtschaft verständlich und greifbar zeigen.
Vier Landwirte sind dabei
Mit Reto Ryser, Dani Ruh, Michi Ruh und David Schmid stehen vier Männer hinter dem Anlass, die alle in Hofenacker aufgewachsen sind. Sie sind tief mit der Landwirtschaft und dem Weiler verbunden und möchten genau diese Welt für die Bevölkerung sichtbar machen. Am 31. Mai öffnen sie deshalb ihre Hof- und Stalltüren für alle und laden dazu ein, Landwirtschaft hautnah zu erleben. Die Betriebe der vier Landwirte stehen für eine vielseitige Landwirtschaft: Familie Ryser führt einen Betrieb mit Ackerbau, Milchvieh und Christbaumkultur. Die Gebrüder Ruh setzen auf Ackerbau, ein Lohnunternehmen und Munimast. Bei der Familie Schmid stehen Ackerbau, Munimast, Kompostierung, Muldenservice und Strassenreinigung im Mittelpunkt. Gerade diese Vielfalt macht Hofenacker aus und zeigt, wie breit Landwirtschaft heute aufgestellt ist.
Der Erlös fliesst in die Landi
Die Idee für den Anlass entstand eher zufällig. «Eigentlich kam sie an der Generalversammlung der Landi Ramsen auf», erzählen sie lachend. Die Landi liegt ihnen am Herzen, das spürt man sofort. Sie organisieren das Fest, unterstützt von Sponsoren und der Genossenschaft selbst. Der Erlös fliesst zurück in die Landi. «Wir machen das gerne.» Seit September laufen die Vorbereitungen. Hinter dem Anlass steckt mehr als nur ein gemütlicher Sonntag. Die Landi Ramsen hat bewegte Zeiten hinter sich. Erst kürzlich stand sie kurz vor einer Auflösung. Heute steht die Genossenschaft vor einem Neuanfang. «Der Grundgedanke der Genossenschaft, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam einzukaufen, ist mit der Zeit etwas verloren gegangen», sagen die Landwirte offen. Die Strukturen haben sich verändert. Viele Betriebe besitzen ihre eigenen Maschinen, und der frühere Austausch ist weniger geworden. Auch die Schliessung des Landi-Ladens im Jahr 2018 hat Spuren hinterlassen. Umso wichtiger ist es nun, wieder Verbindungen zu schaffen. «Die Landi soll wieder eine Klammer für die Bauern im oberen Kantonsteil sein.» Dazu gehören neben Ramsen auch Buch, Hemishofen und Stein am Rhein. Das Feld-Stall-Fest ist deshalb auch bewusst Öffentlichkeitsarbeit. «Vielleicht müssen wir wieder etwas mehr Werbung für unsere Landi machen», sagen sie schmunzelnd. Gleichzeitig wird nach vorne geschaut. Eine Umfrage bei jüngeren Genossenschaftern zeigt neue Ideen. Im Gespräch ist die gemeinsame Koordination der Rehkitzrettung oder Feldabende für Austausch und Information.
Zusammenarbeit, die funktioniert
Dass gegenseitige Unterstützung funktioniert, zeigen die Vier bereits heute im Alltag. «Wir arbeiten eng zusammen. Wenn bei einem der Traktor im Service ist, ist klar, dass er einen von den anderen nutzen kann.» Diese Nähe ist heute eine grosse Stärke der vier Landwirte. «Es ist ein Miteinander, ein Geben und Nehmen und es braucht Rücksicht aufeinander», sagen die vier Landwirte. Das sei nicht immer selbstverständlich gewesen. Ihr Prinzip ist einfach. «Wir sagen untereinander zuerst einmal Ja und suchen dann eine Lösung.» Gleichzeitig bleibt jeder Betrieb eigenständig. «Wir reden einander nicht in die Betriebsstrategie hinein», betonen sie. «Aber wir haben das Glück, dass wir gut zusammenpassen und ähnlich ticken.» Wer diese Nähe und Zusammenarbeit in der Landwirtschaft einmal erleben möchte, sollte sich den 31. Mai vormerken. Das Feld-Stall-Fest in Hofenacker bietet die Gelegenheit, Stallluft zu schnuppern, Fragen direkt den Bauern zu stellen und einen gemütlichen Sonntag mit der ganzen Familie zu verbringen.