Sein Weg zurück auf den Hof
Claudio Kellers beruflicher Weg führte vom Reisebüro über die Hotelbranche zurück auf den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb im Lieblosental. Inzwischen ist er Landwirt und frischgebackener Agrotechniker HF. Anfang 2027 steht der nächste grosse Schritt an: Dann übernimmt er den Betrieb seiner Eltern.
Claudio Keller interessierte sich schon früh für unterschiedliche berufliche Wege. Nach einem Besuch im Berufsbildungszentrum entschied er sich für eine kaufmännische Ausbildung und fand kurz darauf eine Lehrstelle in einem Reisebüro. Nach dem Abschluss hielt es ihn aber nicht lange im Büro. Keller wollte nochmals etwas anderes sehen und wechselte für eineinhalb Jahre in die Hotelbranche. Kurz vor der Pandemie kam der Punkt, an dem er sich nochmals grundsätzlich Gedanken über seine Zukunft machte. Er kündigte und kehrte zurück auf den elterlichen Betrieb im Lieblosental in Beringen.
Vom eigenen Produkt zum neuen Beruf
Dort begann Keller neben der täglichen Arbeit auf dem Hof, Chilis anzubauen. Aus den scharfen Früchten stellte er Chilipulver her und vermarktete es direkt. Die Rückmeldungen auf sein eigenes Produkt blieben ihm in Erinnerung. «Ich habe dabei sehr viel Wertschätzung erfahren.» Gleichzeitig merkte er immer stärker, wie sehr ihm die Arbeit auf dem Hof gefiel. Seine Eltern führen im Lieblosental einen Vollerwerbsbetrieb mit Ackerbau und Legehennen. Ein wichtiger Betriebszweig ist ausserdem die Direktvermarktung der Freilandeier unter dem Namen «Keller Eier». Jede Privatkundin und jeder Privatkunde erhält die Eier je nach Wunsch einmal pro Woche oder alle zwei Wochen direkt nach Hause geliefert. Daneben beliefert die Familie verschiedene Geschäftskunden wie Restaurants, Cafés, Bäckereien oder einen Käseladen. Gerade der direkte Kontakt zur Kundschaft gefällt Keller. «Bei den Liefertouren das schwarze brett Wein & Windenergie Samstag, 10. Oktober Sonntag, 11. Oktober Öffentliche Besichtigung Windturbine Falcon, Oberhallauerberg, Oberhallau ab 12 Uhr Besichtigung mit Fachauskünften von Wepfair, Degustation Goldeselweine Graf & Gräfin, einfache Verpflegung & Getränke, Wettbewerb und Ausstellung kommt man mit den Menschen ins Gespräch. Es werden auch Fragen zur Landwirtschaft gestellt. Das gefällt mir.» Mit der wachsenden Freude an der Arbeit auf dem Hof stellte sich zunehmend die Frage, ob daraus auch beruflich mehr werden könnte. Den entscheidenden Anstoss gab schliesslich sein Vater: Warum nicht noch Landwirt lernen? Keller fand eine Lehrstelle und absolvierte die zweijährige Zweitausbildung zum Landwirt EFZ. Der richtige Weg zur Weiterbildung Doch damit war sein Bildungsweg noch nicht abgeschlossen. Nach rund zwei Jahren auf dem elterlichen Betrieb stand für Claudio fest, dass er sich fachlich noch weiterentwickeln wollte. Gleichzeitig rückte die Hofübernahme näher, da sein Vater in absehbarer Zeit pensioniert werden würde. Für den Landwirt war deshalb klar, dass er die verbleibende Zeit nutzen wollte, um sich möglichst gut auf die Zukunft vorzubereiten. Dank seiner Berufsmaturität wäre auch ein Bachelorstudium in Agronomie möglich gewesen. Keller entschied sich jedoch bewusst dagegen. Ebenso kam für ihn die Weiterbildung zum Meisterlandwirt nicht an erster Stelle. Bei der Wahl seiner Weiterbildung waren ihm drei Punkte besonders wichtig: in möglichst kurzer Zeit viel dazuzulernen, eine unternehmensorientierte Ausbildung zu absolvieren und sich gleichzeitig gute berufliche Möglichkeiten ausserhalb des eigenen Betriebs offenzuhalten. «Mir war wichtig, dass ich das Gelernte später auf dem eigenen Betrieb einsetzen kann, mir aber trotzdem auch andere berufliche Wege offenstehen», hielt Keller damals für sich fest. Die Ausbildung zum Agro-Techniker HF vereinte diese Anforderungen für ihn am besten und wurde damit zum naheliegenden nächsten Schritt.
Im September 2026 konnte der frischgebackene Agro-Techniker die Weiterbildung nach knapp zwei erlebnisreichen, intensiven und lehrreichen Jahren erfolgreich abschliessen. Mit dem Abschluss im Gepäck folgt nun der nächste Schritt: Anfang 2027 übernimmt er den elterlichen Betrieb.
Hühnerfutter als Diplomarbeit
Dass Theorie und Praxis dabei eng zusammengehören, zeigte sich auch bei seiner Diplomarbeit. Keller beschäftigte sich mit einem Hühnerfutter und erarbeitete dazu ein Marketingkonzept. Er führte Interviews mit Verkaufsstellen, analysierte die bisherige Entwicklung des Produkts und beschäftigte sich damit, wie dessen Absatz weiter gesteigert werden könnte.
Die Arbeit blieb nicht einfach Theorie auf Papier. Mit Hilfe seines Konzepts konnte der Absatz des Futters bereits gesteigert werden. «Das freut mich sehr.» Nun hofft er, dass weitere Punkte aus seiner Arbeit umgesetzt werden. Auch seinen Blick auf den eigenen Betrieb hat die Weiterbildung verändert. Vor der Ausbildung war der Landwirt überzeugt, dass eine Umstellung auf biologische Landwirtschaft der richtige Weg für den Hof sein könnte. Heute beurteilt er diese Frage breiter: Entscheidend ist für ihn nicht mehr ein einzelnes Produktionssystem, sondern ob ökologische, ökonomische und soziale Aspekte langfristig zusammenpassen. Welche Veränderungen sich stattdessen für den Betrieb im Lieblosental ergeben werden, lässt er noch offen. Nur so viel verrät er: «Es wird sicher gewisse Veränderungen geben.» Nici Peter