Vom Hobby zum LandEi

Was mit Hühnern im Garten begann, ist heute ein Betriebszweig. Die Familie Hallauer verkauft ihre «LandEier» direkt ab Hof, per Eierabo und im Automaten.

Wenn man sich den mobilen Ställen der Familie Hallauer nähert, hört man die Hühner schon von weitem. Aus allen Ecken gackert es, fast so, als würden sie ihre Besucher begrüssen. Die Familie Hallauer in Löhningen hält rund 400 Hühner. Fast jedes Tier legt täglich ein Ei. Unter dem Namen «LandEi» verkauft die Familie ihre Eier direkt ab Hof, per Liefertour und im Eierautomaten in Beringen. Was als Hobby von Bäuerin Sonja Hallauer begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem festen Betriebszweig. Neben den Hühnern betreibt die Familie auch Ackerbau. Auf ihren Feldern wachsen unter anderem Kartoffeln, die für die Familie einen wichtigen Stellenwert haben. Auch sie werden direkt vermarktet und gehören zum Angebot auf dem Hof sowie im Eierautomaten.

Die ersten Hühner im Garten

Schon Sonjas Grosseltern hatten Hühner. Als ihre Kinder noch klein waren, kam ihr die Idee. «Komm, Hühner im Garten, täglich ein paar Eier wäre doch toll.» Gemeinsam mit den Kindern baute sie ein kleines Häuschen im Garten für die Tiere. Bald zogen fünf Hühner in den selbstgebauten Stall ein. Der erste Morgen bleibt ihr bis heute in Erinnerung. «Wir gingen in den Stall, und da lagen unsere ersten drei Eier. Es war eine tolle Erfahrung.» Seither ist Sonja vom Huhn und vom Ei fasziniert. Am Anfang waren die Eier nur für die eigene Familie gedacht. Doch bald fragte eine Nachbarin, ob sie ab und zu Eier kaufen könne, wenn es einmal zu viele habe. «Anfangs habe ich die Eier verschenkt.»

Vom Hobby zum Betriebszweig

Die Familie baute darauf einen grösseren Stall. Die Zahl der Hühner stieg auf rund 30 Tiere. «Da haben wir zum ersten Mal damit geliebäugelt, dass dies ein Betriebszweig werden könnte», sagt der Landwirt Felix Hallauer. Mit der Zeit wuchs auch der Kreis der Kundschaft. 2016 kaufte die Familie ihren ersten mobilen Hühnerstall für 300  Tiere. Gefüllt wurde er zunächst nur mit rund 120 Hühnern. «Uns war wichtig, nur so stark zu wachsen, wie wir auch Eier verkaufen konnten», erklärt Hallauer. Lieber einmal zu wenig Eier haben als von einem Grossabnehmer abhängig sein, ist ihre Devise. Später kam ein zweiter Stall dazu. Heute leben in beiden Ställen je rund 200 Hühner. Die Eier werden fast ausschliesslich direkt vermarktet. Neben dem Hofverkauf gibt es einen Eierautomaten in Beringen sowie eine wöchentliche Liefertour. Zudem beliefert die Familie ein bis zwei grössere Kunden, die regelmässig eine grössere Menge Eier beziehen.

Eier direkt zur Kundschaft

Die Bäuerin macht zweimal pro Woche eine Eiertour. Am Donnerstag fährt sie durchs Klettgau bis nach Schaffhausen, am Freitag liefert sie in Löhningen aus. Viele Kundinnen und Kunden beziehen ihre Eier im Abo. Über die Website kann man sich anmelden und erhält wöchentlich eine Lieferung. Manchmal gibt es auch zu viele Eier, etwa während der Sommerferien oder nach Ostern. Dann bleiben Eier übrig. Hallauers haben sie schon an Sommerlager verschenkt oder an «Tischlein deck dich» weitergegeben. Meistens gleicht sich der Absatz aber wieder aus. «Das Aushalten, dass einmal viele Eier nicht verkauft werden, musste ich lernen», sagt Sonja nachdenklich. «Es ist eine Herausforderung, darauf zu vertrauen, dass es wieder aufgeht.» Ihr Mann ergänzt lachend: «Vor Ostern brauchen wir viel mehr Eier. Aber dem Huhn ist es egal, ob Ostern ist oder nicht. Es legt einfach täglich sein Ei.»

Alltag im Hühnermobil

Die «LandEier» stammen von Lohmann Brown Hühnern. Diese Rasse gilt als robust und wird schnell zutraulich. Der Tag im Stall beginnt früh. Gegen halb vier Uhr morgens sorgt eine Zeitschaltuhr dafür, dass es im Stall hell wird. Die Tiere brauchen täglich etwa gleich viel Licht. Sonst kommen sie in die Mauser. Um 9 Uhr öffnet sich die Klappe zur Weide. Dann können die Hühner frei wählen, ob sie drinnen oder draussen sein wollen. Gerade im Sommer suchen viele Tiere den Schatten im Stall. Damit die Weide geschont wird, versetzt die Familie die mobilen Ställe jede Woche. Nach zwei bis drei Monaten kehren sie an denselben Ort zurück. So können sich Gras und Boden gut erholen. Für beide Ställe braucht es rund einen Hektar Fläche. Im oberen Teil des Stalls befinden sich Nester und Sitzstangen. Im unteren Bereich liegt der Scharrraum mit Stroh und Körnern. «Im Stroh findet man innert Kürze keine Körner mehr. Die picken sie alle auf», berichtet die Bäuerin. Hühner seien übrigens keine Vegetarier. Einmal beobachtete die Familie sogar, wie eine Maus von den Tieren gefressen wurde. Wenn neue Hühner einziehen, müssen sie sich zuerst orientieren. Manchmal legen alle Tiere ihre Eier ins gleiche Nest. «Dann liegen plötzlich 100 Eier in einem Nest. Da frage ich mich ehrlich, wie das geht», erzählt Sonja lachend

Verantwortung für Tier und Produkt

Am Morgen sammelt die Bäuerin die Eier aus den Nestern, füttert die Tiere und bringt die Eier nach Hause. Dort werden sie gereinigt, beschriftet und für den Verkauf vorbereitet. Am Abend kontrolliert die Familie nochmals den Stall. «Uns ist wichtig, zweimal am Tag bei den Hühnern zu sein», betont der Landwirt. Gerade im Frühling können Füchse in der Nähe der Ställe auftauchen. Die Hühner bleiben rund ein Jahr auf dem Betrieb. Danach werden sie geschlachtet und als Suppenhühner verkauft. «Uns war wichtig, diese Tiere nicht einfach zu entsorgen», sagt Hallauer. «Der Kreislauf soll geschlossen bleiben, und die Wertschätzung soll da sein.»

Ein Ei mit Bedeutung

Für die Bäuerin sind Eier mehr als ein Lebensmittel, dies merkt man schnell wenn sie eines in die Hand nimmt. Mit einem Lächeln sinniert sie: «Ist es nicht einfach ein Wunder und uh schön?» Gerade zu Ostern bekommt das Ei nochmals eine besondere Bedeutung. «Das Ei ist so vielseitig und im Haushalt nicht wegzudenken», hält Sonja fest, und Felix ergänzt: «Das Ei ist ein Prozess der Fortpflanzung und des Lebens.» Ein besonderes Erlebnis bietet der Eierautomat in Beringen. Dort gibt es rund um die Uhr «LandEi». Geld einwerfen, Knopf drücken, und schon fahren die Eier mit einem kleinen Lift zur Ausgabe. Für viele Kinder und Erwachsene ist das jedes Mal eine kleine Freude.