Zikade in Zuckerrüben: gemeinsam handeln

Die Schilf-Glasflügelzikade ist im Kanton Schaffhausen längst kein Randthema mehr. Der Befall nimmt zu und betrifft nicht nur Zuckerrüben, sondern zunehmend weitere Kulturen wie Kartoffeln, Randen und Gemüsearten. Der Schaffhauser Bauernverband macht deutlich: Jetzt braucht es gemeinsames Handeln, bevor aus Prävention Zwang wird.

Im Kanton Schaffhausen ist die Schilf-Glasflügelzikade leider bereits stark vertreten. Deshalb ruft der Schaffhauser Bauernverband die Produzenten dazu auf, aktiv zu werden. «Uns ist bewusst, dass die Möglichkeiten einschneidend sind», sagt Simon Keller vom Schaffhauser Bauernverband. Dennoch brauche es jetzt den Willen zur Veränderung. Die Schilf-Glasflügelzikade überträgt beim Einstich ins Blatt Krankheitserreger wie das Proteobakterium, das SBR (Syndrome Basses Richesses) verursacht. Die Folgen sind wirtschaftlich deutlich spürbar: Der Zuckergehalt sinkt um zwei bis fünf Prozent, der Zuckerertrag kann um sechs bis acht Tonnen pro Hektar zurückgehen. Zusätzlich kann das Stolbur-Phytoplasma übertragen werden, das die sogenannte Gummirüben-Krankheit respektive bakterielle Kartoffelknollenwelke verursacht. Im Monitoring der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau (SFZ) wurden einzelne Zikaden mit der aus Deutschland bekannten Doppelinfektion (Proteobakterium und Stolbur Phytoplasma) gefunden, darunter auch eine Zikade im Kanton Schaffhausen. In den Rüben konnte die Doppelinfektion bisher nicht nachgewiesen werden, dies ist aber ein ernstes Risiko.

Wie sich die Zikade vermehrt
Die adulten Zikaden fliegen im Mai, Juni und Juli in die Bestände ihrer Wirtspflanzen (Zuckerrüben, Kartoffeln und gewisse Gemüsearten) ein. Dort stechen sie die Pflanzen an und übertragen die Krankheitserreger. Anschliessend legen sie ihre Eier (bis zu 150 Eier pro Weibchen) in den Boden direkt bei der Pflanze ab. Die Nymphen überwintern im Boden und ernähren sich von den Wurzeln der Winterbegrünungen. Im folgenden Frühjahr entwickelt sich daraus die nächste Generation, der Kreislauf beginnt von vorn. Die Nymphen verbleiben ¾ des Jahres im Boden, was die Bekämpfung schwierig macht. Mit dem Wegfall vieler effektiver Beizwirkstoffe, welche bis vor kurzem im Gesamtackerbau eingesetzt werden konnten, wird die Zikadenpopulation nicht mehr reduziert.

Nicht nur Zuckerrüben betroffen
Längst betrifft das Problem nicht nur den Zuckerrübenbau. Die Symptome sind dort mit den gelben Rübenfeldern am schnellsten erkennbar. Mittlerweile ist klar, dass auch Kartoffeln sowie diverse Gemüsearten (Randen, Rhabarber, Spargel, Karotten) Wirtspflanzen sind. Damit entsteht eine Herausforderung für ganze Fruchtfolgesysteme.

Chemische Bekämpfung kaum wirksam
Ein häufiger Wunsch aus der Praxis ist eine chemische Lösung. Doch genau hier liegen die Schwierigkeiten. «Chemisch die Nymphe zu treffen ist sehr schwierig», erklärt Simon Keller. Die Larven befinden sich tief im Boden, was eine gezielte Bekämpfung fast unmöglich macht. Auch Insektizide gegen die adulten Tiere zeigen nur begrenzte Wirkung. Die Zikaden sind sehr mobil. Beladene Zikaden übertragen die Erreger rasch in die Pflanze und weisen eine hohe Reproduktionsrate auf. Eine einfache Spritzlösung gibt es deshalb nicht. Fruchtfolgeumstellung einzige Lösung Für den Schaffhauser Bauernverband ist die wichtigste Erkenntnis klar: Die Fruchtfolge ist der entscheidende Hebel. Besonders problematisch ist Winterweizen nach Zuckerrüben. Diese Kombination fördert die Entwicklung der Zikade stark, da die Rübe eine lange Vegetationszeit hat und nach ihrer Ernte häufig noch bis in den Spätherbst Winterweizen gesät werden kann. Die klare Empfehlung lautet deshalb: Kein Wintergetreide nach Zuckerrüben. Auch andere Gräserarten, welche im Spätherbst direkt nach Zuckerrüben gesät werden (z.B. in Gründüngungen), sind problematisch. Deutlich besser geeignet sind Sommerkulturen wie Mais, Sonnenblumen oder Kartoffeln. Wenn über den Winter eine Brache besteht und erst im Mai Mais gesät wird, kann der Lebenszyklus der Zikade wirksam unterbrochen werden. «Die Fruchtfolgeumstellung ist die einzige sinnvolle Lösung. Bitte macht mit. Es ist der einzige Weg», betont Keller.

Gemeinsam statt Zwang von oben
Dem Vorstand des Schaffhauser Bauernverbandes ist bewusst, dass die vorgeschlagenen Massnahmen für viele Betriebe einschneidend sind. Dennoch soll der Weg gemeinsam gegangen werden. «Wir möchten keinen Zwang von oben, sondern dass wir zusammen das Problem anpacken können», sagt Keller und appelliert an die Produzenten, Verantwortung zu übernehmen. Auch Barbara Springer unterstreicht diesen Gedanken: «Jeder, der die Zikadenpopulation reduzieren kann, hilft.» Gerade weil nicht die gesamte Branche geschlossen hinter den Massnahmen steht, sei es wichtig, dass möglichst viele Produzenten freiwillig mitziehen und mithelfen, die Zikadennymphen über den Winter auszuhungern. Die Schilf-Glasflügelzikade ist im Kanton Schaffhausen angekommen und der Handlungsbedarf ist gross. Noch besteht die Möglichkeit, mit gezielten Massnahmen gegenzusteuern. Wer jetzt handelt, hilft mit, grössere Schäden im ganzen Kanton zu verhindern. SHBV