Ich arbeite momentan gratis

Historisch tiefe Schweinepreise setzen den Produzentinnen und Produzenten zu. Viele Betriebe verdienen derzeit kaum mehr Geld. Schweinehalter Ueli Kleck aus Thayngen erklärt, weshalb der Markt aus dem Gleichgewicht geraten ist und warum er trotzdem optimistisch bleibt.

Der Schweinemarkt steckt in einer Krise. Seit Monaten werden in der Schweiz mehr Schweine produziert, als der Markt aufnehmen kann. Die Folge sind historisch tiefe Produzentenpreise. Einer, der diese Entwicklung täglich spürt, ist der Landwirt Ueli Kleck aus Thayngen. Auf seinem Betrieb werden jährlich rund 2100 bis 2200 Mastschweine produziert. Dank einer effizienten Produktion und einem Tierwohllabel kann er die schwierige Zeit zwar überstehen. Verdienen tut er derzeit jedoch nichts.

Der Landwirtschaftsbetrieb der Familie Kleck wurde 1999 aus dem Dorf ausgesiedelt. Gleichzeitig entstand ein neuer Schweinestall. Früher gehörten Milchkühe, Ackerbau und rund 90 Mastschweine zum Betrieb. Heute konzentriert sich Kleck vollständig auf die Schweinehaltung.

Seine Tiere werden nach einem Tierwohllabel gehalten und haben jederzeit Zugang ins Freie. Rund 90 Muttersauen bilden das Herzstück des Betriebs. Aus ihren Ferkeln wachsen jedes Jahr rund 2100 bis 2200 Mastschweine heran. «Mein Ziel war immer, die Mast mit den eigenen Ferkeln zu betreiben», sagt der Produzent.

Ein Betrieb im Dreiwochenrhythmus

Die Muttersauen stammen aus Kreuzungstieren von spezialisierten Zuchtbetrieben. Sie sollen fruchtbar sein und jährlich zwischen 26 und 30 Ferkel aufziehen. Etwa acht Würfe bleiben sie auf dem Betrieb, bevor sie ersetzt werden. «Eine Sau im achten Wurf ist ein richtig massives Tier. Dann wird sie beim Säugen weniger vorsichtig oder die Geburten verzögern sich.» Auf dem Betrieb läuft alles nach einem festen Rhythmus. Rund 90 Muttersauen sind in sieben Gruppen eingeteilt. Alle drei Wochen wird gedeckt, alle drei Wochen werden Ferkel geboren und alle drei Wochen werden Ferkel abgesetzt. Dieser Ablauf bleibt bestehen, unabhängig davon, wie sich der Schweinemarkt gerade entwickelt. Nach vier Wochen Säugezeit kehren die Sauen ins Deckzentrum zurück.

Ein Eber lebt ebenfalls auf dem Betrieb. «Er ist hauptsächlich für die Stimulation der Sauen da», sagt der Landwirt mit einem Schmunzeln. «Je mehr er stinkt, desto mehr freuen sich die Sauen.»

Nur gelegentlich deckt der Eber tatsächlich. Die künstliche Befruchtung der Tiere übernimmt der Landwirt mit Frischsperma. Dieses wird kurzfristig bestellt und kann bei rund 17 Grad nur wenige Tage gelagert werden. Anders als bei Rindern lässt sich Schweinesperma nicht tiefgefrieren. Deshalb ist es wichtig, dass möglichst viele Sauen gleichzeitig rauschig werden.

Lieber weniger Ferkel

Bei der Zucht setzt Kleck bewusst auf robuste Tiere statt auf Höchstleistungen. «Man darf es mit der Zucht nicht übertreiben. Eine Sau hat 16 Zitzen. Mehr Ferkel passen schlicht nicht hin.» Zwar lassen sich Ferkel problemlos zwischen verschiedenen Muttersauen umverteilen. Trotzdem versucht Kleck, dass jede Sau ihre eigenen Ferkel selbst aufziehen kann. «Lieber ein Ferkel weniger und dafür schön entwickelte Tiere.»

Schon kurz nach der Geburt bildet sich eine Rangordnung. Jedes Ferkel sucht sich seine eigene Zitze. Die stärkeren Tiere besetzen meist die ergiebigeren Plätze. Alle zwei Wochen werden schliesslich schlachtreife Mastschweine verladen und zum Schlachthof gebracht.

«Ich arbeite momentan gratis»

Wie schwierig die aktuelle Marktlage ist, zeigt sich in der Betriebsrechnung. «Ich bin momentan nur noch in der Lage, meine Direktkosten wie Futter, Wasser und Strom zu decken. Seit Ende Juni arbeite ich gratis.»

Abschreibungen für Stall und Maschinen liegen derzeit nicht mehr drin. Trotzdem bleibt Kleck erstaunlich gelassen. «Ich kann noch gut schlafen.» Dass sein Betrieb die Krise bisher übersteht, führt er auf seine tiefen Produktionskosten zurück. Einen Teil des Futters baut er selbst an. Das Getreide wird auf dem Betrieb gemahlen und gelagert. Fertigfutter kauft er nur in geringen Mengen. Personalkosten fallen nur in kleinem Umfang an. «Wenn ich mit meinen tiefen Kosten so gerade noch durchkomme, trifft es andere Betriebe sicher viel härter.»

Ein Lehrbeispiel

Für Kleck kommt die Krise nicht überraschend. «Der Schweinezyklus ist sogar ein Lehrbeispiel an Universitäten.» Wenn die Preise gut sind, produzieren viele Betriebe mehr Schweine. Bis diese schlachtreif sind, vergehen rund zehn Monate. Trifft dieses grössere Angebot später auf den Markt, geraten die Preise unter Druck. Erst wenn wieder weniger produziert wird, kann sich der Markt erholen. Die guten Schweinepreise in den Jahren 2024 und 2025 hätten viele Produzenten dazu motiviert, ihre Produktion auszubauen. Gleichzeitig sei im Herbst 2025 seiner Einschätzung nach mehr Schweinefleisch importiert worden. «So tiefe Preise habe ich in meinen 30 Jahren Schweinehaltung noch nie erlebt.»

Für Kleck ist deshalb klar: Nicht der Konsum sei das Problem. «Meines Wissens ist der Schweinefleischkonsum 2025 sogar leicht gestiegen.» Vielmehr würden derzeit pro Woche mehr Schweine produziert, als die Schlachtbetriebe vermarkten könnten.

Leidenschaft trotz Krise

Trotz der schwierigen Situation bereut Ueli Kleck seinen Berufsentscheid nicht. Schon sein Vater habe stets genau gerechnet und erkannt, dass die Schweinehaltung dem Betrieb eine Zukunft bieten könne. Auch wenn die aktuelle Krise schmerzhaft sei, blickt der Landwirt optimistisch nach vorne. «Der Schweinezyklus hat immer wieder gezeigt, dass auf schwierige Jahre auch wieder bessere folgen.»