Spannung im Stierenring

Der Stierenmarkt von Mutterkuh Schweiz in der Vianco Arena in Brunegg zog auch dieses Jahr zahlreiche Züchter- und Bauernfamilien an. Ein Limousin-Stier erzielte mit 9100 Franken den Höchstpreis des Tages. Insgesamt standen 70 Fleischrinderstiere von sechs Rassen im Angebot.

«Zum ersten, zum zweiten und zum dritten – verkauft!» In der Vianco Arena in Brunegg ist die Zuschauertribüne inzwischen gut gefüllt, als der Zuschlag fällt. Hände gehen nach oben, auch online wird mitgeboten. Auf den Rängen wird es still, die Blicke richten sich auf den Ring. Jeder Zuschlag entscheidet in Sekunden darüber, welcher Stier den Betrieb wechselt – und welche Genetik künftig in den Herden weiterwirkt. Mit sicherer Stimme führt Urs Jaquemet von der Vianco AG durch die Auktion. Als Auktionator behält er sowohl die Gebote aus dem Publikum als auch jene aus dem digitalen Bietsystem im Blick. Seit der Pandemie wird der Stierenmarkt auch online durchgeführt – ein Angebot, das sich etabliert hat und rege genutzt wird. Der Angus-Stier ARON erzielt mit 7900 Franken einen beachtlichen Preis und erntet Applaus. Den Höchstpreis des Tages erreicht jedoch der Limousin-Stier Vulkan: Er wird für 9100 Franken verkauft. Fast alle Tiere finden neue Besitzer. Im Vorjahr fanden alle angebotenen Stiere einen Käufer, zudem lagen die Preise insgesamt höher. Dieses Jahr wurde ein Stier nicht verkauft – das Höchstgebot lag unter der Preisvorstellung des Züchters, der den Verkauf ablehnte.

Zuchtwerte sind zentral
Jeder Verkaufsstier wird nach zahlreichen Kriterien beurteilt. Zuchtwerte beschreiben das genetische Potenzial, das ein Tier an seine Nachkommen weitergeben kann. Ein Wert von 100 entspricht dem Durchschnitt der jeweiligen Rasse. Liegt der Wert darüber, wird eine überdurchschnittliche Leistung erwartet, liegt er darunter, eine unterdurchschnittliche. Geschätzt werden unter anderem Geburtsablauf, Absetzgewicht, Schlachtgewicht, Fleischigkeit und Fettabdeckung der Schlachtkörper. Zusätzlich publiziert Mutterkuh Schweiz weitere Kennzahlen: Den Gesamtzuchtwert Index Beef on Beef (IBB) sowie – für die Rassen Simmental und Braunvieh – den Teilindex Index Fleisch Viande (IFV). Zuchtwerte sind wichtige Hilfsmittel für Zucht- und Selektionsentscheide, müssen jedoch stets rassespezifisch interpretiert werden und sind nicht zwischen Rassen vergleichbar.

Wer kauft einen Stier?
Zum Verkauf stehen ausschliesslich anerkannte Fleischrinderstiere. Viele Käufer integrieren den Stier direkt in eine Mutterkuhherde. Andere erwerben Tiere für Besamungsstationen, wo Sperma für die künstliche Besamung gewonnen wird. Daneben gibt es Anbieter, die Stiere als Leasingtiere weitervermitteln. So können sie zeitlich begrenzt in verschiedenen Herden eingesetzt werden. Die Stiere stammen aus Zuchtbetrieben, die Mitglied sind bei Mutterkuh Schweiz. Der Umgang mit dem Menschen beginnt früh, das Gehen am Halfter wird gezielt trainiert. Ein ruhiger, umgänglicher Charakter ist zentral, denn die imposanten Tiere müssen im Alltag sicher zu handhaben sein. Auch Charaktereigenschaften können an die Nachkommen weitervererbt werden.

Eine Nacht im Gemeinschaftsstall
Die Stiere werden am Winterstierenmarkt jeweils am Abend vor der Auktion angeliefert und verbringen eine Nacht gemeinsam im Stall, angebunden. Im April und September kommen die Stiere am Tag und werden am gleichen Abend noch verkauft. Die ungewohnte Situation sorgt zunächst für Nervosität, doch die Tiere gewöhnen sich rasch daran. An diesem Auktionstag ist davon kaum noch etwas zu spüren, obwohl der Stall für Besucher offen ist und die Stiere intensiv begutachtet werden. Die Verkaufsstiere sind zwischen 12 und 18 Monate alt – mitten im «Teenageralter». Entsprechend viel Temperament bringen sie mit. Insgesamt stehen 70 Stiere aus sechs Fleischrinderrassen im Angebot, gezüchtet von 39 Zuchtfamilien.

Champions und Auftritt im Ring
Im Rahmen des Züchterabends, der am Vorabend der Auktion stattfand, wurden den die Rassenchampions gekürt. Vor der Auktion werden die Rassenchampions im Ring präsentiert. Danach folgt der Verkauf der einzelnen Stiere. Jeder Stier wird einzeln in den Ring geführt. Auf einer Leinwand erscheinen die wichtigsten Informationen zusammengefasst: Alter, Grösse, Gewicht, die aktuelle Lineare Beschreibung (LB) und weitere Zuchtwerte. Die Gebote steigen in 100-Franken-Schritten – aus dem Saal, per Telefon oder online. Bis zum dritten Aufruf bleibt alles offen. Wer den Zuschlag erhält, kann den Stier noch am selben Tag verladen und mitnehmen – als Investition in die Zukunft der eigenen Herde – oder wie Urs Jaquemet zu sagen pflegt: «Der Muni ist die halbe Herde».

Schaffhauser Bauernverband